Lebensfreude auf drei Beinen

Manchmal trifft einen das Leben mit der vollen Härte und Dinge die einem zwar schon häufig begegnet sind aber trotzdem immer noch eine gewisse Distanz hatten, werden auf einmal zu einem realen Bestandteil des eigenen Lebens.

Alles fing ganz harmlos an. Mitte Oktober fing Merle, unsere 16 Monate alte Staff Mix Hündin, an auf dem hinteren rechten Bein zu humpeln. Für mich zunächst nichts was mich sonderlich beunruhigt. Vertreten, umgeknickt oder ein Wachstumsschub welcher gerade in jungen Jahren häufig vorkommt waren für mich erstmal die Möglichkeiten für das Humpeln. Als sich nach drei Tagen aber keine Besserung einstellte stellten wir Merle einer Tierärztin vor.

 

 Die Ärztin röntgte die offensichtlich betroffene Stelle. Auf den Bildern war ein Schatten in Höhe der Kniescheibe erkennbar. Die Diagnose lautete Panostitis- wobei sich das Knochengewebe entzündet. Insbesondere bei wachsenden Hunden auftretend heilt die Panostitis von selber in 8-12 Wochen wieder aus.


Zur Unterstützung bekam Merle ein Schmerzmittel, welches zunächst super anschlug. Als wir es nach gut einer Woche absetzten fing Merle wieder an zu humpeln.

Bei einem erneuten Arztbesuch erhielten wir wieder ein Schmerzmittel welches aber nicht mehr half. Da es häufig der Fall ist, dass zunächst das richtige Schmerzmittel gefunden werden muss, wurde mittels drei weiterer Mittel versucht die Entzündung in den Griff zu bekommen. Das dritte Schmerzmittel in Verbindung mit Cortison führte zu einer leichten Verbesserung, allerdings hatte Merle offenkundig weiterhin Schmerzen da sie weiterhin ihr Bein kaum bis gar nicht belastete. Eine weitere Röntgenuntersuchung machte erneut die Veränderung am Knochen sichtbar. Diesmal wesentlich zentrierter und kompakter als noch bei der ersten Aufnahme. 

 

Die Ärztin erklärte uns, dass wir die Sache aussitzen müssen, da es 8-12 Wochen andauern kann. Diese zeitlichen Angaben zur Panostitis kann man auch der Literatur entnehmen.

 

Mitte Dezember war immer noch keine Verbesserung zu erkennen, im Gegenteil, das Bein wurde im Bereich des Knies dick und es war deutlich erkennbar, dass Merles Schmerzen eher schlimmer anstatt besser wurden.

 

Bei einer anderen Tierärztin holten wir uns nun eine zweite Meinung ein. Diese machte eine Blutuntersuchung, röntgte das Bein erneut und gab uns erneut Schmerzmittel und Magentabletten mit. Das Cortison sollte ausgeschlichen werden, damit sie wieder mit Schmerzmittel behandelt werden kann.  Die Diagnose lautete hier Entzündung im Knochen resultierend aus der Panostitis.


Der Anblick des  Röntgenbildes war selbst für einen Laien erschreckend  denn es war deutlich erkennbar, dass sich der Knochen verändert hat. Die Tierärztin wollte nun noch die Ergebnisse der Blutuntersuchung abwarten um dann die weitere Vorgehensweise zu besprechen.

 

Am nächsten Morgen rief unserer Tierärztin überraschend an und bat uns sofort in die Praxis zu kommen. Die mittlerweile vorliegenden Blutwerte lagen im Normalbereich. Allerdings hatte sie die Röntgenaufnahmen einem Kollegen gezeigt und übereinstimmend mit seiner Meinung stand nun eine neue mögliche Ursache im Raum. Ein Tumor.

Plötzlich stand die Zeit still. Krebs; bei einem Hund mit 16 Monaten. Und dann noch möglicherweise Knochenkrebs, einer der aggressivsten Formen von Krebs. Das konnte nicht wahr sein.

 

 Für den folgenden Montag wurde ein Termin in einer Spezialklinik in Dresden vereinbart. Die folgenden knapp 48 Stunden waren der pure Horror. Ich kann gar nicht beschreiben, was uns alles durch den Kopf ging. Unsere Merle hat möglicherweise Krebs und das in diesem Alter.

 

Zum vereinbarten Termin stellten wir Merle dem Tierarzt der Spezialklinik in Dresden vor und nachdem dieser sich die Röntgenaufnahmen angesehen hatte, war auch seine erste Diagnose ein Tumor. Eine Biopsie, neue Röntgenbilder und ein MRT wurden in Auftrag gegeben und als wir sie nach schier endlosen Stunden zwischen Verzweiflung, Wut und Beten wieder abholen konnten stand die vorläufige Diagnose fest; Knochentumor mit Bakterienbeteiligung. 

Bisher waren  keine Metastasen in Lunge, Becken und dem restlichen Körper  auf den Bildern erkennbar. Die Ergebnisse der bakteriellen Untersuchung standen noch aus, allerdings machte uns der Tierarzt hier wenig Hoffnungen und so wurde schnell klar, dass nur eine schnellstmögliche Amputation des Beines Schlimmeres verhindern könnte wenn es nicht schon zu spät sei und der Krebs bereits, nicht erkennbar, gestreut hatte.

Hab ich schon erwähnt, dass es einen Tag vor heilig Abend war als uns diese Nachricht traf wie ein Schlag ins Gesicht?

Die folgenden Tage waren sehr ruhig, da Merle überwiegend schlief. Man merkte ihr an, wie sie von Tag zu Tag schwächer und teilnahmsloser wurde. Es war schlimm so hilflos zusehen zu müssen wie ein so junger, immer fröhlicher und agiler Hund immer schwächer wurde. Die  hatte kaum noch Appetit, wollte nichts mehr essen. Jegliche Animation zum Spiel war vergebens und auch Asgard konnte sie nicht mehr aus der Reserve locken.

 

3 Tage nach Heilig Abend kam dann der Anruf aus der Klinik. Die schlimmsten Befürchtungen waren nun traurige Gewissheit. Merle hatte ein Osteosarkom und ein Chondrosarkom. Der Termin zur Amputation des Beines wurde für den 03.01.2014 vereinbart.

 

Heute ist es drei Tage her, dass Merle das rechte Hinterbein amputiert wurde. Die OP selbst verlief ebenfalls nicht ohne Komplikationen, da eine starke Blutung eintrat und Merle eine Bluttransfusion bekommen musste. Einen Tag nach der OP konnten wir sie endlich wieder nach Hause holen, wobei es ihr seitdem merklich besser geht, sieht man einmal von den Nachwehen der OP ab.

 

Nun bleibt es abzuwarten mit der ständig wiederkehrenden Frage im Hinterkopf ob der Krebs bereits im restlichen Körper ist. Die Überlebenschancen variieren hierbei genauso wie die Erfahrungswerte aller mit denen wir uns mittlerweile ausgetauscht haben. In einem Forum welches von einer Hundehalterin betrieben wird, die ähnliches erfahren hat und in dem sich Gleichgesinnte austauschen, sowie die Erfahrungen der beteiligten Ärzte, variieren die Erwartungen zwischen wenigen Monaten bis zu  Jahren. Viele Hunde mit ähnlicher Diagnose starben nach ein paar Monaten, andere wenige erlebten noch ein oder mehrere Jahre. Einige vereinzelte Hunde leben noch immer obwohl die Diagnose schon viele Jahre zurück liegt.

 

Warum wir das alles schreiben und veröffentlichen? Wir wollen kein Mitleid, davon haben wir überhaupt nichts. Vielleicht können wir aber hiermit ein wenig sensibilisieren. Man kann in diesem Fall niemand einen Vorwurf machen, da eine solche Entwicklung unmöglich vorhersehbar war. Vielleicht hätte man früher stutzig werden müssen, vor allem aufgrund der vielen nicht wirkenden Schmerzmittel, aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer.

 

Wir wollen aber auch verdeutlichen, dass eine  Amputation, eines der Gliedmaßen, für einen Hund nicht das Todesurteil sein muss. Ich habe in der Vergangenheit persönlich eine Vielzahl „behinderter“ Hunde kennen gelernt, die trotzdem voller Lebensfreude waren und ihr Leben genießen. Das eigentliche Problem ist, wie so oft, die Psyche des Menschen. Ein Hund darf natürlich nicht leiden und wenn wir bei Merle irgendwann feststellen sollten, dass der Krebs gestreut hat und sie Schmerzen hat und leidet werden wir sie friedlich einschlafen lassen.

 

Bis dahin genießen wir aber unsere gemeinsame Zeit und erfreuen uns an ihrer Lebensfreude. Sobald sie wieder richtig fit ist und alle Narben verheilt sind darf sie natürlich auch wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Mantrailing, nachgehen!

Einmal mehr hat uns ein Hund eine wichtige Lektion erteilt. Lebe im Hier und Jetzt und genieße jede Minute. Nicht immer leicht umzusetzen aber wir haben ja noch Zeit.

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Kommentare: 17
  • #1

    Monique Simmer (Dienstag, 07 Januar 2014 23:40)

    Mir fehlen die Wörter - alles alles Gute für Merle - hoffe sehr, das das Scheißkrebs jetzt weg ist!!! Ari und Barack senden sanfte Kuschelgrüße und wir wünschen gute Besserung! <3 <3 <3

    Herzlichst und hoffnungsvoll
    Monique, Ari und Barack

  • #2

    Bea (Mittwoch, 08 Januar 2014 10:58)

    Oje davon hatte ich ja gar nichts mitbekommen :( wie kommt sie denn jetzt zurecht? Ihr werdet diesen Weg mit ihr gehen und sie wird wieder ein lebensfroher Hund werden - Merle schafft das!

  • #3

    Janine (Donnerstag, 09 Januar 2014 14:22)

    Lieber Christoph, liebe Carolin,
    ich habe gerade mit Entsetzen eure Geschichte gelesen... Wir drücken alle Daumen und Pfoten, die wir haben (und das sind einige ;)), dass Merle euch noch ganz, ganz viele Jahre Freude bereiten wird! ... Ich kann nur zu gut nachempfinden, was ihr durchmacht... Alles Gute!

  • #4

    Regine (Freitag, 10 Januar 2014 10:58)

    Lieber Christoph, liebe Carolin,
    ich dachte nur wir hatten ein sch... Weihnachten und Silvester und Jahresanfang (nicht im Bezug auf die tier. Mitbewohner). Aber wie ich Euren Beitrag lese schießen mir gleich wieder die Tränen in die Augen. Ich wünsch Euch viel Kraft und noch viele Jahre mit Merle. Schaue, so oft es geht, "Menschen, Tiere und Doktoren", da kommen auch oft so Fälle. Mit den 3 Beinen wird Merle sicher zurecht kommen, Hauptsache der Krebs hat nicht gestreut. Drücke Euch ganz fest die Daumen. Lb. Grüße Regine

  • #5

    Yvonne rehklau (Freitag, 10 Januar 2014 22:00)

    Toll, einfach nur toll euer Engagement. Nein mitleid braucht diese Geschichte wirklich nicht. Mich würde der Verlauf sehr interessieren.

  • #6

    Peggy (Freitag, 10 Januar 2014 22:13)

    Hallo, das ist ja eine sehr traurige Geschichte. Ich hoffe Merle geht es bald besser und ihr habt wieder bald viel Freude mit ihr das Leben zu genießen. Ich finde es sehr gut das ihr alles so genau erzählt habt, vielleicht hilft es mal einem anderen Hund den Krebs eher zu erkennen... LG Peggy mit Elvis und Oona

  • #7

    Kerstin (Samstag, 11 Januar 2014 09:32)

    Ich wünsche Merle und Euch von Herzen ein bewusstes und sinnerfülltes Leben, das Ihr in aller Intensität leben könnt. Ihr habt die einzig richtige Entscheidung FÜR den Hund und FÜR das LEBEN getroffen - danke, dass Ihr die Geschichte öffentlich macht! Das Leben an der Seite eines behinderten Hundes schenkt Erfahrungen, die alles verändern können ... ich weiß, wovon ich spreche, und wünsche Euch nicht trotz, sondern gerade mit der Krankheit eine glückliche gemeinsame Zeit auf dieser Welt ...

  • #8

    Christoph Clemens (Samstag, 11 Januar 2014 09:33)

    Hallo Yvonne

    Bislang verläuft alles sehr gut. Die Wunde heilt schön ab und nächste Woche werden aller Wahrscheinlichkeit nach die Fäden gezogen. Sie läuft schon sehr gut und man merkt das es ihr von Tag zu Tag besser geht. Beim Fressen ist sie noch etwas mäkelig aber auch das wird von Tag zu Tag besser.

  • #9

    kauper kerstin (Samstag, 11 Januar 2014 09:35)

    Hallo ,
    habe eure Geschichte gelesen und die Hoffnung welche ihr habt <3
    Ich selbst habe meine Hündin im Alter von fast 12Jahren durch Lymphdrüsenkrebs verloren ,er wurde am 01 -11-13 festgestellt und ihre Behandlung wurde sofort eingeleitet ,es wurde alles versucht der Krankheitsverlauf ging von Hoffnung da es zurück ging wieder komplett bergab .Meine kleine kämpfte bis zum Schluss ,aber es gab keine Hoffnung ich musste sie am 15-12-13 gehen lassen .
    Sie schlief in meinem Armen auf meinem Schoß ein .
    ich wünsche euch vom ganzem Herzen alles Glück dieser Welt das diese junge tapfere Merle diesen Kampf gewinnt <3 <3
    Alles liebe aus Nürnberg
    Kerstin Kauper

  • #10

    Christoph Clemens (Samstag, 11 Januar 2014 18:00)

    Lebensfreude auf drei Beinen in bewegten Bildern

    http://www.youtube.com/watch?v=b7KhoPOaiuk&feature=youtu.be

  • #11

    mandy (Samstag, 11 Januar 2014 18:42)

    ich habe ne Gänsehaut...ich wünsche euch von Herzen alles Gute und noch eine wundervolle Zeit miteinander!! ♥

  • #12

    Steffi & Odin (Samstag, 11 Januar 2014 21:37)

    Auch bei uns war die Amputation des rechten Hinterbeines zwei Tage vor Heilig Abend und ist nun schon einige Jahre her.
    Ich wünsche Euch auch an dieser Stelle alles, alles Gute !
    Das Leben geht weiter, auch mit drei PS (Pfotenstärken) !
    LG
    Steffi & Odin

  • #13

    Friedemann, Peggy (Samstag, 11 Januar 2014 23:00)

    Hallo Ihr Lieben!
    Es ist Wahnsinn! So rasant ging es. Kommt mir so unwirklich vor. Wie ihr euch dann erst fühlen musstet und jetzt noch müsst. Bin aber froh, dass die Maus die OP so gut weggesteckt hat und wo sonst als bei euch wird sie wieder gut aufgebaut. Tolle Geschichte. Und die Botschaft ist gut. Sowas vergisst man immer wieder zu leicht! Man soll nicht so gleicgültig und wie selbstverständlich durchs Leben gehen sondern jeden Moment genießen.
    Danke kleine Merle! Und alles Gute!

  • #14

    Petra Michael (Sonntag, 12 Januar 2014 10:34)

    Das trifft mich grad wie ein Schlag, doch nicht Merle, das kann doch nicht sein, sind die Gedanken.
    Ich find es super, das ihr das hier teilt und sicherlich denkt niemand das es um Mitleid geht

  • #15

    Petra Michael (Sonntag, 12 Januar 2014 10:40)

    dennoch ist man in Gedanken bei Euch und fühlt mit und das ist auch gut und richtig so. Ich wünsche Euch ganz viel Kraft und für Merle werdet ihr das Beste tun, das was richtig ist und ich wünsche ihr eine schnelle Genesung und Euch allen das alles weiterhing gut verläuft und Merle nochlange so unbeschwert das Leben genießen kann, sie ist eine so zauberhafte kleine Maus und wird das Leben auch auf 3 Beinen zweifelsohne in vollen Züben genießen.
    Ganz liebe Grüße aus Dortmund

  • #16

    Angelika Schweitzer (Donnerstag, 16 Januar 2014 00:42)

    es kann manchmal so schnell gehen und alles ändert sich Schlag auf Schlag.
    Ich hoffe und wünsche Euch, dass die Amputation gereicht hat und die Krankheit nicht wieder aufflammt. Ich drück Euch beide und knuddel Merle in Gedanken.........sie macht das super und ich bin mir sicher sie wird mit Euch ein ebenso schönes Leben mit drei führen wie mit vier.

  • #17

    yvonne rehklau (Mittwoch, 12 Februar 2014 22:03)

    lange nichts von euch gelesen,wie gehts der maus und wie gehts euch?