Die Aktion „Maulkorb drauf“ bricht ein TABU Thema in Deutschland

 

Zu Beginn diese Artikels soll zunächst noch folgendes klar gestellt werden. Diese Aktion sollte zu keinem Zeitpunkt dazu dienen eine generelle Maulkorbpflicht für alle Hunde zu fordern oder zu fördern. Da in den letzten Wochen immer wieder Kommentare von Lesern kamen, die scheinbar lediglich die Überschrift gelesen habe bzw. nur das was sie lesen wollten, wollen wir hier noch einmal deutlich machen, dass diese Aktion PRO Hund ist und dazu dienen soll die öffentliche Meinung und Einstellung zu maulkorbtragenden Hunden zu verändern bzw. den Tellerrand mancher etwas flacher zu machen.

Die Halter, welche ihrem Hund einen Maulkorb aufsetzen, haben keine Lust mit ihrem Hund zu arbeiten, ihn ordentlich zu erziehen oder haben ihren Hund einfach nicht im Griff. Oder auch "ach der Arme", "das ist doch Quälerei" hören wir oft wenn wir einen Hund mit Maulkorb führen. Ganz zu schweigen von den mitleidigen bis ängstlichen Blicken welche wir bekommen wenn man uns mit unserem Hund sieht. Kinder werden von ihren Eltern zur Seite gerissen, Hunde panisch abgerufen und Leute wechseln die Straßenseite. Das ist (leider) immer noch Alltag eines verantwortungsbewussten Hundehalters!

 

Dabei gibt es so viele Gründe warum Hunde einen Maulkorb tragen und diese haben meist nichts mit mangelnder Erziehung oder ähnlichen klugen Ratschlägen zu tun. Ein Hund muss nicht immer aggressiv sein wenn er einen Maulkorb trägt. In vielen öffentlichen Verkehrsmitteln in Deutschland ist es schlichtweg Pflicht, dass  Hunde durch einen Maulkorb abgesichert werden. Auch gibt es viele Hunde, welche gerne alles fressen, was sich dreidimensional vom Boden abhebt. Leider nimmt die Giftköderproblematik zurzeit immer mehr zu, so dass auch hier ein Maulkorb Sicherheit geben kann und evtl. Leben rettet, ohne das auch nur annähernd Aggressionen im Spiel sind.

 

In Deutschland gilt der Maulkorb unter Hundehaltern und leider auch noch bei vielen Trainern als Tabu und nicht gesellschaftsfähig. Lieber wird dem Hund eine gelbe Schleife umgebunden und dadurch gehofft, dass andere Hundehalter mit ihren Hunden Abstand halten. Dies setzt aber mindestens voraus, dass der andere Halter überhaupt weiß was diese gelbe Schleife bedeutet. Zusätzlich muss sein Hund auch abrufbar sein. Ist der Hund das nämlich nicht oder der Halter selbst hat schlicht nicht genug Erziehung genossen kann man ganze gelbe Fahnen schwenken. Auch hier bietet ein Maulkorb definitiv mehr Sicherheit für beide Seiten.

 

Aufklärung zum Tragen eines Maulkorbs wird bisher so gut wie gar nicht betrieben und auch in den Medien hat der Maulkorb dank der sinnfreien und nicht zielführenden Rasselisten ein schlechtes Bild bei vielen Teilen der Bevölkerung. Nur bei wenigen namhaften Trainern gehört der Maulkorb zum Alltag.

Aus diesem Grund haben wir im Sommer 2014 die Aktion "Maulkorb drauf" ins Leben gerufen. Eine Aktion für mehr Toleranz und Akzeptanz für das Tragen eine Maulkorbs, egal welcher Rasse.

 

Der Maulkorb ist im Hundetraining ein gutes Hilfsmittel um dem Halter Sicherheit zu geben, dass nichts passieren kann und dem Hund die Möglichkeit zu nehmen seiner Umwelt Schaden zuzufügen.

 

In unserer heutigen Gesellschaft gibt es aus verschiedenen Gründen immer mehr verhaltensauffällige Hunde, welchen durch Hundetrainer professionelle Hilfe angeboten wird. Dabei ist es vor allem bei Objektjunkies, fehlgeleitetem Jagdverhalten, innerartlicher Aggression oder auch bei Aggressionen gegen Menschen notwendig den Hund im Training abzusichern, um dann gezielt mit dem Hund an seinem Problemverhalten arbeiten zu können. Leider wird jedoch auch das nicht bei allen Hundetrainern so gehandhabt und dem Hundehalter vorgegaukelt, dass der Hund gar nicht so „schlimm“ wäre und mit konsequenter und ordentlicher Führung kein Maulkorb notwendig sei. So lange diese Meinung in den Köpfen der Profis festhängt wird es jedoch kaum möglich sein, die Beißvorfälle zu reduzieren und Hundehalter für die Gefährlichkeit mancher Hunde zu sensibilisieren.

 

Häufig hört man auch, dass Hunde welche einen Maulkorb tragen unglücklich seien, ständig versuchen den Maulkorb loszuwerden, lethargisch in der Ecke liegen, kein Geschäft mehr draußen verrichten und auch kein Leckerli nehmen wollen. Dies ist häufig die Folge einer nicht- oder nur unzureichend erfolgten Maulkorbgewöhnung, oder schlicht der negativen emotionalen Einstellung des Halters zum Maulkorb geschuldet. Wie es die Erfahrungen zeigen und unter anderem eine Studie von Udo Gansloßer (2011) belegt, wird der Hund durch den Maulkorb in keiner Weise beeinträchtigt, vorausgesetzt es ist eine gute Maulkorbgewöhnung erfolgt. Der Hund ist, entgegen häufiger Behauptungen, außerdem sehr gut in der Lage mit seinen Artgenossen zu kommunizieren oder sich auch bei Rangeleien mit anderen Hunden zu wehren. Die Zähne sind für den Hund nur das aller letzte Mittel um sich selbst zu verteidigen, wird aber in 99% der alltäglichen Hundebegegnungen nicht gebraucht. Hingegen kann der Hund weiterhin körpersprachlich agieren, er kann den Fang öffnen, hecheln, trinken, Leckerli zu sich nehmen ohne jedoch jemanden zu verletzen.

 

Dabei ist es wichtig, dass der Maulkorb dem Hund gut passt und richtig sitzt. Er sollte locker auf dem Fang liegen und vorne nicht an die Nase anstoßen. Der Maulkorb sollte so groß sein, dass der Hund ohne Probleme den Fang vollständig öffnen kann um zu trinken. Bei der Wahl des Maulkorbes gibt es viele Möglichkeiten, von Leder über BioThane und Plastik bis hin zum Drahtmaulkorb. Letzter wird von uns für Hunde empfohlen, welche wirkliche Aggressionsprobleme haben.

Maulkörbe sind eine super nützliche Erfindung. Sie sorgen für Sicherheit und Entspannung. Es ist traurig, dass viele Hundehalter vor dem Einsatz eines Maulkorbes zurückschrecken, weil sie (leider zu Recht) befürchten, dass ihr Hund von den Mitmenschen dadurch als "bissiges Monster" wahrgenommen wird. Ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen beim Anblick eines Hundes mit Maulkorb denken "Toll, ein verantwortungsbewusster Hundehalter!" Denn nichts anderes sollte man denken wenn man verstanden hat, dass Maulkörbe bei Hund und Halter für Sicherheit, mehr Freiheiten und v.a. auch Entspannung beim Halter sorgen.

 

Wollen Sie mehr zu unserer Aktion erfahren, uns unterstützen, oder sich einfach mit Gleichgesinnten austauschen, dann besuchen Sie unsere Homepage unter www.maulkorb-drauf.jimdo.com oder im Facebook unter www.facebook.de/maulkorbdrauf!

 

Carolin Opitz

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Kommentare: 2
  • #1

    Anett (Montag, 04 August 2014 18:12)

    Hallo Carolin, Deine/Eure Aktion ist super (Y) und es wird Zeit, dass endlich von Seiten der Hundeschulen darauf hingewiesen wird, dass ein Maulkorb, wenn er einmal nötig wird, nur Vorteile für Mensch und Hund bringen. Ich danke dir für dein Engagement. Übrigens, ein tolles Video auf der Maulkorb-drauf-Seite und meine Truppe ist zu meiner Überraschung auch verewigt. Korbträger „Pelufo“ bedankt sich mit einem Wuff ;)

  • #2

    Frank Kania (Montag, 04 August 2014 21:50)

    Ich bin seit ca. 30 Jahren in der Hundeausbildung unterwegs. Ich hatte in dieser Zeit auch Hunde, die ich - leider - nur mit Beißkorb frei laufen lassen konnte. Mich hat das immer deprimiert, weil ich den Beißkorb einfach nicht als normales Accessoire eines Hundes sehe, sondern als ein notwendiges Übel. Ich habe es eigentlich immer ein wenig als mein eigenes Versagen als Hunde-Ausbilder betrachtet, wenn ich es nicht geschafft habe, einen Hund so zu trainieren, dass ich ihn auch ohne laufen lassen kann. Aber - wie gesagt - auch ich hatte Hunde, die nicht ohne ihn sein konnten. Bei allem Verständnis für diese Aktion....mir gefällt einfach ein Hund besser, der ohne unterwegs ist. Beißkorb ist für mich immer nur "Plan B"